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Preview Feierliche Eröffnung

Foto: Nicole Hollatz

 

Festrede zur Gründung der Gunda und Udo Scheel Stiftung

Text: Regina Rudnik-Hoppe

Sehr verehrte Gäste, liebe Freundinnen und Freunde der Kunst,

nach den eindrücklichen Worten meiner Vorredner steht ein Gedanke ganz unübersehbar im Raum: Udo Scheel hat Wismar geprägt – und Wismar hat ihn geprägt. Was wir heute mit der Gründung dieser Stiftung feiern, ist jedoch weit mehr als ein dankbarer Rückblick auf ein herausragendes Lebenswerk. Es ist unser Anspruch, dieses Erbe lebendig zu halten und langfristig als festen Bestandteil im kulturellen Gedächtnis Wismars zu verankern.

Unser Fokus liegt auf der Nähe. Bei uns erleben Sie Kultur persönlich, unkompliziert und auf Augenhöhe. Wir sind eine feine, dichte und authentische Institution mitten in der historischen Altstadt. Und genau darin liegt unsere Stärke. 

Man fragt sich zu Recht: Was kann eine Stiftung dieser Größenordnung leisten? Was geben wir Wismar zurück? 

Die Ausrichtung der Stiftung folgt drei klaren Leitlinien: einen inspirierenden Denk- und Arbeitsort zu schaffen, künstlerisches Erbe mit künftigen Generationen zu verbinden und einen prägenden kulturellen Akzent mit überregionaler Strahlkraft zu setzen.

Doch bevor wir die künftigen Aufgaben und Etappen der Stiftungsarbeit vertiefen, gilt das Augenmerk zunächst den beiden Persönlichkeiten dahinter: den Lebenswegen, Haltungen und dem eigenständigen Schaffen von Udo und Gunda Scheel, aus denen dieses Vorhaben erwächst.

I. Udo Scheel: Das Ganze der Welt im Bild

Wenn wir den Blick auf Udo Scheels Malerei richten, begegnet uns ein Werk von einzigartiger poetischer und bildnerischer Kraft. Geboren 1940 hier in unserer Hansestadt, führt sein Weg über das Studium an der Kunstakademie Düsseldorf von 1959 bis 1964 zu einer prägenden Wirksamkeit: Als Gründungsleiter des Instituts für Kunsterzieher – dem Vorläuferinstitut der Kunstakademie Münster –, langjähriger Professor für Malerei und Grafik und späterer Rektor der Kunstakademie Münster hat er Generationen von Kunstschaffenden geprägt. Wenn man von einer „Münsterschen Schule“ sprechen könnte, dann würde diese kein formales Dogma darstellen, sondern eine Scheel’sche Haltung: Sie duldet keine Ausschließlichkeit, sondern lebt aus Offenheit, handwerklicher Meisterschaft und kompromissloser Individualität. 

Scheels Malerei entzieht sich konsequent jeder Verengung. Sein Œuvre steht für seine unbeirrbare künstlerische Freiheit. Wo das 20. Jahrhundert oft das unversöhnliche Entweder-Oder forderte – Abstraktion gegen Figuration, Konzept gegen Sinnlichkeit –, wählte Udo Scheel von Beginn an einen subjektiven Weg. Es ist, wie sein Kollege Timm Ulrichs es treffend auf den Punkt gebracht hat: kein Zeichen von Unentschiedenheit, sondern der bewusste Ausdruck souveräner Freiheit: ein „sehr entschiedenes Sowohl-als-auch“.

Dieses Prinzip formt Scheels Malerei zu einem visuellen Äquivalent des Lebens selbst. Im Sinne von Robert Musils dialektischem Paar aus Wirklichkeitssinn und Möglichkeitssinn entwirft Scheel Bildräume, die der alltäglichen Realität eine eigenständige Wirklichkeit entgegensetzen: Gegenwelten voller Träume, Sehnsüchte, existenzieller Fragilität und Liebe. Scheel, der augenscheinlich ein bürgerliches Leben führte, übertrug genau diese Erfahrungswelt in seine Malerei – nur um sie dort konsequent aufzubrechen. Es ist keine Absage an diese Existenzform, sondern deren künstlerische Befragung: Auch hier begegnet uns ein entschiedenes „sowohl-als-auch“, das scheinbare Gewissheiten in schöpferische Spannung versetzt.

Künstlerisch wurzelt diese Sprache in der Durchdringung des europäischen Informel. Befreundet mit K.O. Götz, fand Scheel im informellen Gestus und im monumentalen Großformat ein befreiendes Moment. Doch er verharrte nicht in der reinen Geste: Er nahm sich das Informel als Beispiel, transformierte dessen dynamischen Farbauftrag und überführte ihn in eine unverwechselbare figurative Kraft. Seine Gemälde – die oft schon mit der physischen Konstruktion des Rahmens als integralem Akt des Werkwerdens beginnen – entfalten eine fast theatrale Dramaturgie der Verdichtung, in der die Nähe zu Meistern wie Max Beckmann in der bühnenhaften Präsenz und existenziellen Schwere spürbar wird.

K.O. Götz schrieb über Scheels Arbeiten:„Das Geheimnisvolle der bildgegenständlichen Andeutungen in Scheels Bildern, ja ihre oft ambivalente Vieldeutigkeit, liegt nicht nur an Kombinationen, Verzahnungen oder Verschmelzungen von partiellen Gegenständlichkeiten, sondern auch im Wechsel von plastischen Zonen zu völlig flächigen Zonen. Bei Udo Scheel geht es weder um das reine Abbild noch um ideologische Thesen. Seine komplexe Poesie nimmt einen singulären Platz ein – in einer prekären Balance zwischen Abstraktion, Gegenstand und Evidenz.“

Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, der Vorsitzende unseres Kunstbeirates, brachte es auf den Punkt: Scheel scheint eine Entwicklung vorweggenommen zu haben, die erst eine Generation später durch die sogenannte Leipziger Schule wieder breit gefeiert wurde – eine Figürlichkeit, die meisterhaft in eine erzählerische Gesamtdramaturgie eingebunden ist. Dass dieses Werk auch international Resonanz erfährt, zeigt das Urteil des Chicagoer Documenta-Teilnehmers Jim Lutes: „I am truly amazed with your artworks and how unique they are.“ 

Doch Udo Scheels Einfluss auf die Kunst  erschöpft sich nicht nur an der Leinwand. Wenn wir Udo Scheels Wirken an der Kunstakademie betrachten, dürfen wir einen kulturpolitischen und akademischen Meilenstein nicht übersehen, der das deutsche Kunsthochschulwesen bis heute beeinflusst: Udo Scheel hat die historische, oft künstliche Trennung zwischen freier Kunst und Lehramt überwunden. Als er 1972 die Leitung des Instituts für Kunsterzieher in Münster übernahm, herrschte vielerorts noch die Auffassung, angehende Kunstpädagogen bräuchten vor allem Didaktik, Methodik und theoretisches Rüstzeug – während die existenzielle Arbeit im Atelier den freien Künstlern vorbehalten blieb.

Scheel brach mit diesem Dogma. Seine unumstößliche Überzeugung lautete: Man kann Kunst nur dann authentisch vermitteln, wenn man sie zuvor am eigenen Leib als freier Künstler erfahren hat.

Unter seiner Führung wurden angehende Lehrerinnen und Lehrer nicht als Pädagogen zweiter Klasse ausgebildet, sondern auf Augenhöhe mit den Studierenden der Freien Kunst. Dieselben künstlerischen Klassen, dieselbe bedingungslose künstlerische Freiheit, dieselbe handwerkliche Schärfe und derselbe Anspruch an die eigene bildnerische Haltung. Dass aus dem einstigen Vorläuferinstitut eine eigenständige, renommierte Kunstakademie mit freien Künstlern als Professoren erwuchs, ist das direkte Resultat dieses Prinzips: Wer an Schulen Kunst unterrichtet, muss aus dem inneren Schaffensdrang eigener Werkprozesse schöpfen können. Udo Scheel hat damit Generationen von Kunsterziehern das Selbstbewusstsein und die Identität wahrhafter Künstler gegeben. Statt die freie Kunst im Elfenbeinturm zu isolieren, öffnete er sie für reale gesellschaftliche und psychologische Wirkungsräume – von der schulischen Vermittlung bis hin zu therapeutischen Schnittstellen. Diese programmatische Ausrichtung nach außen manifestierte sich 1989 in seiner Veröffentlichung „Bildende Kunst: Lehre, Vermittlung, Hilfe“. Er forderte, die freie Kunst gesellschaftlich nutzbar zu machen, denn nicht jeder Absolvent wird sich am freien Markt behaupten können. Deswegen initiierte Scheel in Zusammenarbeit mit dem Psychologen Dr. Kobbert, das Laboratorium im Malkeller Haus 20: Das dichte, konzentrierte Arbeiten der Studenten mit Patientinnen und Patienten im psychiatrischen und klinischen Kontext –bildete das praktische Fundament. Hier wurden keine Lehrbuch-Therapeuten ausgebildet, sondern bildende Künstler mit psychosozialer Kompetenz. Damit durchbrach Scheel die traditionelle Isolation der Kunstakademien erneut und betonte auch die Haltung, dass Kunst und Künstler einen gesellschaftlichen Nutzen haben.

Als der Maler Udo Scheel nach über drei Jahrzehnten prägender Hochschularbeit und seinem Rektorat aus dem akademischen Dienst ausschied, bedeutete dies für ihn keineswegs den Rückzug ins Private. Im Gegenteil: In den darauffolgenden fast zwei Jahrzehnten – insbesondere während seiner intensiven Arbeitsphasen in den Berliner Ateliers – erfuhr sein malerisches Schaffen eine nochmals gesteigerte Dichte und Monumentalität. 

Und dennoch zog es ihn immer wieder hierher zurück: Nach Wismar. Im Jahr 2022 schließlich schloss sich dieser große Kreis: Udo Scheel kehrte dauerhaft an seinen Geburtsort zurück. Es war ein zutiefst bewegender Einschnitt – geprägt vom Verlust seiner Ehefrau Gunda im Jahr zuvor.  

Udo Scheel hat Wismar die Treue gehalten – als langjähriger Vorsitzender des städtischen Kunstbeirates, als Initiator von Ausstellungen weltbekannter Künstler wie Tony Cragg, K.O. Götz, Katharina Fritsch, Christiane Möbus und Gregor Schneider, und als Träger der Bürgermedaille dieser Stadt. Die Hansestadt Wismar war für Udo Scheel nie bloße Nostalgie, sondern stets ein lebendiger Resonanzraum.

In seinen eigenen Worten formulierte Udo Scheel diesen Lebensabschnitt so:

„Indem ich mich nach Wismar an meinen Geburtsort zurückziehe, wo ich schon ein Atelier gemietet habe, habe ich nicht nur die Erwartung, dass eine Stiftung das Werk über meine Lebenszeit hinaus zusammenhält, sondern dass ich noch ein Alterswerk zustande bringe, was eine Gnade wäre. Ich bin guter Dinge und werde für mich selber eine Wismar-Phase einläuten. Dem gegenwärtigen Werk werden noch Werte hinzugefügt, die vielleicht eine ganz neue Dimension enthalten.“

Und dieser Wunsch geht in Erfüllung: Scheels Wismar-Phase bringt  ein kraftvolles Spätwerk hervor und schenkt seinem Œuvre tatsächlich jene neue Dimension und Reife für sein Lebenswerk.

II. Gunda Scheel: Das Bild als Erkenntnis und vertiefter Augenblick

Gleichwohl ruht das Fundament dieses Hauses auf zwei gleichermaßen eigenständigen, autonomen künstlerischen Positionen. 

Gunda Scheel, die 1940 geboren wurde und im Jahr 2021 verstarb, begann ihre künstlerische Ausbildung – zeitgleich mit Markus Lüpertz – an der Werkkunstschule Krefeld, bevor sie ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf Gebrauchsgrafik bei Gerhard Hoehme und Walter Breker fortsetzte. 

Vor allem aber etablierte sie sich als herausragende, zutiefst unabhängige Fotografin. 

Ihre Fotografie war nie Dokumentation im banalen Sinne. Sie suchte keine bloße Abbildung, sie erfüllte keine Aufträge und sie unterwarf sich weder technischen Moden noch Labor-Experimenten. 

Udo Scheel hat ihre Arbeitsweise einmal so beschrieben: 

„Gunda war vollkommen frei in ihrer künstlerischen Arbeit. Sie sah weit über die bloße Orientierung hinaus Bilder. Sie sah das Bild im Suchfenster ihrer Hasselblad – oder sie sah es nicht. Wenn es da war, genügte ein Knopfdruck, und das Werk war fertig. Es wurde nicht im Labor manipuliert, es war nicht das Ergebnis einer Auswahl aus hunderten von Versuchen. Es waren vertiefte Augenblicke: hochkomplex, poetisch, großartig. Und wenn sie keine Bilder sah, machte sie keine. Das Bilder-Sehen war ihre ganz besondere Gabe.“

In der kunsttheoretischen Betrachtung durch Doris Paschiller und Dr. Hajo Eickhoff („Der philosophische Modus einer Kunst der Fotografie – Die Fotografin Gunda Scheel“) wird deutlich, wie nah Gunda Scheels Arbeiten den Grundfragen unserer Existenz kommen. Ihre Bilder fassen das Wesen der Welt – im philosophischen Suchen nach dem „Ding an sich“.

Da ist zunächst der Schatten: Er dunkelt die Dinge nicht bloß ab, sondern verrätselt und befragt sie durch den bewussten Entzug von Deutlichkeit völlig neu.

Das zweite zentrale Element ist der Spiegel: Er fängt das Licht in sternengleichem Glanz ein, verdoppelt, überlagert und multipliziert die Ebenen des Sichtbaren. So sehr jede Spiegelung zugleich Illusion bleibt, so unverzichtbar ist dieser Glanz für Gunda Scheels Schaffen – öffnet er doch den Blick für das, was zwischen Schein und Wirklichkeit liegt und damit ebenso wahrhaftig wird wie unsere eigene Wahrnehmung.

Die dritte Kraft ist die stoffliche Dichte: In Arbeiten wie „Schaulager, Basel“ oder „Fiesole, Zypressen“ weichen Licht und Glanz der Schwere des Gesteins. In feinsten Graustufen entfaltet sich eine Bildwelt der Erstarrung und Melancholie, die jede menschliche Präsenz verdrängt. Scheel verdichtet monumentale Kräfte auf das bloße Wesen der Dinge und fordert das Auge heraus, diese schlummernde Kraft in stille Reflexion zu überführen.

Die vierte Kraft schließlich ist das Dunkel: Ein radikaler Farbverzicht, der den Dingen das Bunte nimmt, um ihr Wesen vor dem Verschwinden zu bewahren. Gunda Scheels Dunkelheit blendet nicht aus, sondern schärft alle Sinne jenseits des rein Rationalen. Sie zwingt den Blick zur Ruhe und lässt uns den Schemen der Welt nicht nur zusehen, sondern förmlich lauschen.

Gunda Scheels Studium der Grafik an der Kunstakademie Düsseldorf prägte ihr Schaffen durch ein konsequent grafisches Sehen. Schatten, Spiegel, Dichte und Dunkel fügen sich in ihren Fotografien zu einer Synthese aus Abstraktion, Kontemplation und formaler Strenge. Im Sinne des ursprünglichen protrahere zieht ihre Fotokunst das Wesen der Welt ans Licht.

Über viele Jahre brachte sich Gunda Scheel aktiv in die Friedrich-Hundt-Gesellschaft am Stadtmuseum Münster ein, gab Fotokurse, organisierte Atelierbesuche und leitete Künstler-Exkursionen in Italien. Neben Ausstellungen in Galerien und Kunstvereinen, sowie im Kunstmuseum Gelsenkirchen und Stadtmuseum Münster wurde ihr Werk auch posthum gewürdigt – so im Jahr 2025 in der Berliner Galerie Die Möwe am Kurfürstendamm.                                                                       Dass ihr fotografisches Schaffen – das bereits zu ihren Lebzeiten an der Seite von Größen wie Barbara Klemm, Claudia Fährenkemper und Hans Hansen in St. Georgen gezeigt wurde – nun in Stiftung eine dauerhafte Heimat findet, ist eine weitere Bereicherung für unsere Kulturlandschaft.

Gunda Scheels Fotografie ist keine bloße Ergänzung zur Malerei ihres Mannes. Sie steht ihm völlig eigenständig gegenüber: Wo Udo Scheels Malerei raumgreifend Welten erschafft, zieht Gunda Scheels Fotografie das Wesen der Welt ans Licht. 

III. Die Stiftung in der Praxis:

Aus genau diesem Spannungsfeld schöpfen wir. Was heute beginnt, ist kein Blick zurück, sondern die Eröffnung eines lebendigen Arbeitsraumes. Mit der Gunda und Udo Scheel Stiftung schaffen wir keinen abgeschlossenen Gedenkort, sondern einen festen, verlässlichen Ankerpunkt für Bildende Kunst mitten im Herzen unserer Stadt. Wir sind keine anonyme Maschinerie, sondern eine schlanke Stiftung, die auf persönlicher Leidenschaft, fachlicher Expertise und verlässlichem Ehrenamt aufbaut. Genau darin liegt unser Vorteil: Wir können beweglich, präzise und nahbar agieren:

Wir bieten Raum für konzentrierte Begegnungen, für Führungen in kleinem, persönlichem Rahmen und für die wissenschaftliche und praktische Arbeit mit einem gewachsenen, authentischen Nachlass.

Wir öffnen zwei unverwechselbare Orte mitten im historischen Ensemble Wismars: Im Atelier ermöglichen wir nach Voranmeldung unmittelbare Begegnungen mit dem Maler Udo Scheel bei der Arbeit und gewähren zugleich Einblicke in Teile der familiären Kunstsammlung – mit Werken von K.O. Götz, Max Klinger, Daniel Chodowiecki und Timm Ulrichs, bedeutender Studiokeramik von Jan Bontjes van Beek und Hedwig Bollhagen sowie japanischen Farbholzschnitten der Edo-Zeit.

Nur wenige Schritte entfernt eröffnen sich die Schau- und Archivräume über drei Etagen – mit Malereien, Grafiken, Fotografien und Plakaten, die das gesamte Haus bis in die Flure hinein bespielen. 

Aber ein Erbe bleibt nur dann lebendig, wenn junge Köpfe daran weiterdenken. Unser Wunsch für die Zukunft ist ein enger Dialog mit der Fakultät Gestaltung der Hochschule Wismar: um die Verbindung von Lehre und künstlerischer Praxis ganz im Scheel’schen Geiste Schritt für Schritt mit Leben zu füllen. Beispielhaft dafür stehen die bereits unter der Leitung von Prof. Rudnik erarbeiteten studentischen Raum- und Gestaltungs-konzepte für die Stiftung sowie Kunsthallenentwürfe für Wismar Die Studienarbeiten untersuchten dabei den städtebaulichen Standort Karstadt Sport, Raumprogramme für Wechselausstellungen und Depotflächen sowie zeitgenössische Fassadenlösungen. Sie belegen die methodische Tragfähigkeit und den gestalterischen Ertrag dieses Wissenstransfers zwischen akademischer Lehre und Praxis. Eine Auswahl der Pläne und Modelle ist hier in den Räumen der Stiftung ausgestellt und jeder Zeit einsehbar.

Diesen Dialog möchten wir gerne in Zukunft vertiefen. Zum einen öffnen wir perspektivisch die Stiftungsräume für Lehre und Praxis: In Kompaktseminaren für Kleingruppen von drei bis sechs Studierenden möchten wir anbieten, praxisnahe Einblicke in die Nachlass- und Archivpraxis, die Inventarisierung und Ausstellungsgestaltung zu vermitteln. Zugleich möchten wir zukünftig den Zugang zu unseren Archivbestände, unserer Fachliteratur für wissenschaftliche wie künstlerische Abschlussarbeiten zugänglich machen. Ergänzend suchen wir den fachlichen Austausch mit den Kunstlehrerinnen und Kunstlehrern der Hansestadt: In gemeinsamen Tischgesprächen mit Prof. Udo Scheel  möchten wir Anknüpfungspunkte ermitteln, Schnittstellen zum Unterricht definieren und Formate entwickeln, die Freiraum und Relevanz künstlerischer Praxis im Bildungsalltag stärken.

Unsere Stiftung versteht sich als offenes Haus: Neben einem festen Tag in der Woche empfangen wir Besucherinnen und Besucher gern nach Absprache. Zudem etablieren wir eine regelmäßige Reihe von Fachvorträgen zur Kunst. Darüber hinaus setzt die Stiftung einen präzisen Akzent im kulturellen Profil Wismars mit bewusstem Blick nach außen. Während die Hansestadt jährlich tausende Gäste anzieht – geprägt von Backsteingotik, Welterbe und lebendigen Traditionen wie dem Schwedenfest –, fügt die Stiftung diesem Erbe eine profilierte zeitgenössische Dimension hinzu. 

Dazu gehört der gezielte Brückenbau im Ostseeraum: Wenn im Sommer das Festgeschehen die Stadt belebt, schaffen wir einen bewussten Kontrapunkt – keinen Ort für Massenführungen, sondern einen konzentrierten Rückzugsort für den künstlerischen Dialog, der in kleinen Gruppen vertieft wird und perspektivisch auch Positionen zeitgenössischer schwedischer Kunst im Showroom vorstellt. Zugleich suchen wir den Schulterschluss innerhalb der Region und richten eine herzliche Einladung an Schwerin,Rostock und Lübeck. Der Dialog und künftige Kooperationen mit dem Kunstmuseum Staatliches Museum Schwerin, sowie  Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig Holstein bieten das Potenzial, gemeinsame Horizonte sowie Ausstellungen über regionale Grenzen hinweg zu eröffnen.

Dass wir überhaupt diesen Aufbruch verwirklichen können, gründet auf großem Mäzenatentum und persönlichem Engagement. Der Künstler Udo Scheel trägt alle Teile der bisherigen Kosten aus eigener Kraft und schenkt nach und nach sein Werk der Stiftung, während seine Kinder —Tobias Scheel als Treuhänder und Melanie van der Donk als Vorständin —dieses Vorhaben verantwortungsvoll mit in die Zukunft tragen werden. Um die angestrebte Strahlkraft dauerhaft zu sichern, bedarf es verlässlicher Partnerschaften mit der Stadtverwaltung, dem Land Mecklenburg-Vorpommern, dem Kunstbeirat und einem engagierten Freundeskreis. Was heute hier in der Lübschen Straße als Nukleus beginnt, soll den Weg bereiten, um Unterstützer für eine größere Vision zu gewinnen: die langfristige Gründung eines ‚Baltischen Museums für zeitgenössische Kunst in Wismar‘, das die Sammlung dauerhaft sichert und den passenden Rahmen bietet für künftige Schenkungen und die künstlerische Zusammenarbeit im Ostseeraum. Dafür möchten wir nun verlässliche Partnerschaften mit Stadt, Land und einem engagierten Freundeskreis aufbauen.

Wir beginnen diesen Weg konzentriert, machbar und mit großer Leidenschaft. Treten Sie ein, diskutieren Sie mit uns, bringen Sie Ihre Ideen ein und tragen Sie das Erbe von Gunda und Udo Scheel gemeinsam mit uns in eine lebendige Zukunft.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit!